Am 14. August 2025 fand eine Exkursion unter der Leitung des dib-Mitbegründers und langjährigen dib-Vorsitzenden Architekt Thomas Beucker zu seinem damaligen Projekt Hauptverwaltung Colonia Versicherung, später AXA in Köln statt. Es nahmen 16 dib-Mitglieder und Gäste teil. > Zu den Teilnehmer-Bilder

Erläuterungsbericht zur Exkursion von dib – düsseldorf im blick am 14.08.2025

Lageplan

Am Beispiel der Projektentwicklung der Colonia Versiche-rung 1980 – 1983 für 2000 Arbeitsplätze und der AXA 2002 – 2024 für zusätzlich 2000 Arbeitsplätze kann heute nach weiteren 20 Jahren Nutzung die Transformation des Städtebaus, der Architektur und der Arbeitswelt exem-plarisch erlebt werden.
Das Projekt startete Ende der 1970er Jahre mit der Entscheidung der Colonia Versicherung, sich zu vergrößern. Eine Erweiterung auf dem vorhandenen Standort in der City von Köln hätte eine Bebauung mit Hochhäusern zur Folge gehabt, eine potenziell grobe Beeinträchtigung der historischen Kölner Stadtsilhouette. Das Risiko war zu groß und der technische Aufwand mit vollklimatisierten Büros nicht gewünscht. Die Entschei-dung fiel auf ein Grundstück an der Peripherie von Köln mit genügend Fläche für eine niedrige Bebauung.

Eingang

Für den gewählten Standort wurde ein bundesoffener Archi-tektenwettbewerb für gut 3000 Arbeitsplätze ausgeschrieben. Das Büro Dansard Kalenborn und Partner erhielt mit dem Entwurf von Thomas Beucker den 1. Preis und Auftrag. Das Konzept wurde optimiert, der Bau 1981 begonnen und im Dezember 1983 eingeweiht. 17 Jahre später 2000 erhielt das Büro BM+P Beucker Maschlanka und Partner den Auftrag für die Erweiterung mit 2000 Arbeitsplätzen und einem neuen Raumkonzept, das 2004 eingeweiht wurde.

Eingangshalle

Von Vornherein war die Veränderung Teil des Konzepts der städtebaulichen Konzeption. Die Beschäftigung mit Stadtorganismen in den 60er Jahren hatte ergeben, dass offene städtebauliche Strukturen wesentlich flexibler auf zukünftige, veränderte Rahmenbedingungen reagieren können als in sich abgeschlossene kompakte große Gebäudekomplexe. „Die Stadt ist kein Baum“, dieses vielzitierte Statement kam 1965 vom amerikanischen Architekten Christopher Alexander. Er wollte damit sagen, dass es im Gegensatz zum Aufbau eines Baumes, in einer gewachsenen Stadt keine Hierarchien gibt. Bei Erschließungswegen, die wie Ringe konzipiert sind, gibt es keine Zwangsläufigkeit der Kommunikation. Dieses Ringkonzept ist das Konzept der Organisation der „Altstadt“, Colonia,  und auch der „Neustadt“, AXA, 20 Jahre später. Man kann Ringe in beide Richtungen nutzen. So kann man Hindernissen ausweichen, Engpässe vermeiden. Die Vielfalt der Wege, die Übersichtlichkeit sowie klare Orientierung geben dem Nutzer ein hohes Maß an Freiheit.

Eingang über eine Brücke

Das robuste, sparsame System des „Ground-Scrapers“ ist dem hierarchischen System eines technisch hoch gerüsteten „Sky-Scraper“ weit überlegen. Dem Vorstandschef der damaligen Colonia,  Dieter Wendelstadt, war das durchaus bewusst, als er die Vision verfolgte, der Versicherung ein Zuhause inmitten von Natur zu geben und nicht in einem Hochhauskomplex am Rheinufer.

Die Architektur eines Gebäudes wird maßgeblich geprägt durch das Raumprogramm und den Wünschen des künftigen Nutzers. Anders als 1980 entschied man sich nicht für 85% Gruppenraumbüros und 15% Kleinraumbüros in der „Altstadt“ sondern für 100% Kleinraumbüros in der „Neustadt“.  Das veränderte den Grundriss jeden Hauses und auch das Stadtbild. Dennoch gibt es zwischen Altbau und Neubau Parallelen: Jedes Bürohaus, alt oder neu, steht auf einem fiktiven Grundstück mit den Abmessungen ca. 67,50 m x 67,50 m. Jedes Haus ,alt oder neu, gibt ca. 450 Personen Raum. Jedes Haus ist oberirdisch separat erschlossen. Unterirdisch verbindet ein Erschließungsring alle Häuser miteinander.

Neustadt Axa

Um die Ensemblewirkung des städtebaulichen Konzepts zu stärken, wurden dieselben Materialien verwendet: Ziegel und weiße Aluminiumfenster. Wasserflächen und Grünanlagen  mit besonderen Aufenthaltsflächen verbinden die Häuser mit immer neuen, überraschenden Perspektiven. Fauna und Flora haben sich über 40 Jahre vielfältig entwickelt.

Bazon Brock, Prof. für Ästhetik, definiert die Arbeit von Baumeistern und Architekten, wenn er sagt: „(Ihre) Aufgabe besteht darin, die Behausung der Menschen mit eben jenen geistigen Leistungen zu verbinden, die das Hausen zum Wohnen werden lassen. Die Architektur verwandelt den Bau als Klimahülle, Versorgungsdepot, Schutzzone und Arbeitsareal in Lebensraum und Lebenswelt. Deswegen ist jede leistungsfähige Architektur ein modellhafter sozialer Kosmos, der es den Bewohnern erlaubt, ihrer Welt zu begegnen.“

1989 wurde der Gebäudekomplex als vorbildliches Bauwerk in NRW ausgezeichnet.

<Thomas Beucker –  Architekt Stadtplaner BDA DWB  8/25,  Bilder T. Beucker>