Nach Abschluss des Architekturwettbewerbs zum Projekt „Oper Düsseldorf 2025“ Ende des vergangenen Jahres hat sich dib intensiv, sorgfältig und verantwortungsbewusst mit den Ergebnissen des Wettbewerbs auseinandergesetzt. Auf der Grundlage dieser Prüfung kommt dib zu folgendem Ergebnis:

Standort und Architektur

!. Preis Snohetta, Oslo: Modellansicht von Südosten (Oststraße)

Das Ergebnis des Architekturwettbewerbs zum neuen Opernhaus ist städtebaulich untragbar. Der Architekturwettbewerb hat unmaßstäbliche Baukörper in einem überformten innerstädtischen Block hervorgebracht. Das von der Stadt vorgegebene Grundstück ist für das ausgeschriebene Raumprogramm ungeeignet. Die Überforderung des Standorts  auch durch die zusätzliche Hereinnahme von Musikschule und Bibliothek ist derart offensichtlich, dass es keiner rechnerischen Nachweise bedarf. Die Entwürfe der vier Preisträger mussten zwangsläufig scheitern. Umso erstaunlicher ist, dass das Preisgericht diese Grundproblematik nicht erkannt oder nicht benannt hat.
Aber auch baurechtlich ist die Grundstückssituation hoch problematisch. Ohne gesicherte Genehmigungsfähigkeit gibt es kein Bauvorhaben. Angrenzende Grundstückseigentümer könnten sich mit guten Gründen gegen eine aus ihrer Sicht rücksichtslose Bebauung zur Wehr setzen. Ein erforderlicher Bebauungsplan wäre im Wege der Normenkontrolle angreifbar. Es bestehen erhebliche Zweifel, dass das notwendige öffentliche Baurecht hergestellt werden kann.
Der Stadt Düsseldorf ist vorzuwerfen, dass dem Wettbewerb keine ernsthafte standortbezogene Bedarfs- und Machbarkeitsprüfung vorausging. Die architektonische Fehlentwicklung ist kein Versagen der Entwerfenden, sondern Ergebnis eines falsch gewählten Grundstücks und  überladenen Raumprogramms.
Diese Probleme waren keineswegs neu. Bereits der städtebauliche Wettbewerb 2023 zeigte die strukturellen Defizite des Standorts: Solitärentwürfe und auch Blockrandentwürfe endeten in entwertender Hinterhofkulisse. Eine überzeugende architektonische Figur für ein Opernhaus konnte nicht nachgewiesen werden.

Kosten und politische Belastbarkeit

Die Stadtverwaltung beziffert die Kosten eines Neubaus am Wehrhahn auf maximal1 Mrd. €. Wie belastbar diese Zahl ist oder ob es sich um eine politische Setzung handelt, bleibt mangels Transparenz offen. Öffentlich wurde bereits zu Recht kritisiert, dass weder Grunderwerb noch Finanzierungskosten enthalten sein sollen.
Vor dem Hintergrund eines sich verengenden kommunalen Handlungsspielraums und konkurrierender Prioritäten stellt sich die Frage, ob ein derartiges Großprojekt politisch, finanziell und gesellschaftlich zu rechtfertigen ist. Die Stadt muss sich den Vorwurf gefallen lassen, bislang weder eine nachvollziehbare Gesamtfinanzierung noch eine überzeugende Aussage zu Nachhaltigkeit sowie sozialem und kulturellen Mehrwert vorgelegt zu haben.

 Wie geht es weiter?

Die Stadt Düsseldorf sollte die im Rahmen der Vorplanung des Opernneubaus festgestellten Defizite aufarbeiten und auf dieser Grundlage eine erneute Entscheidung über Programm, Umfang und Standort treffen. Das bestehende Operngebäude an der Heinrich-Heine-Allee erweist sich nach gegenwärtigem Kenntnisstand weiterhin als funktionstüchtig, müsste aber im Verlauf der Zeit saniert werden.

Vorstand und Mitglieder des Vereins
dib Düsseldorf im Blick – Forum für Baukultur und Stadtentwicklung

<2 Bilder Modellansichten aus der Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten>

> Siehe auch dib Stellungnahmen zur Oper 2024, 2023