In der Vorcorona Zeit, in der in Düsseldorf für die Zukunft die Glocken noch im Himmel hingen, wurde in Düsseldorf wegen der zu der Zeit ausufernden Operndiskussion mit immer neuen Opernentwürfen in der Presse vom Stadtrat eine Kommission eingesetzt, die Grundlagen für eine angemessene Sanierung der Oper sowie eines Neubaues ausarbeiten sollte, um die Diskussionen zu versachlichen und Entscheidungsgrundlagen zu liefern.(Siehe auch dib Diskussion aus 2015) Diese Kommission soll im Verlauf des Jahres ihre Ergebnisse vorlegen. Das Ergebnis dieser Kommission abzuwarten ist Position der auf Corona- und Klimakrisenbewältigung ausgerichteten Kooperationsvereinbarung, ehe weitere (gemeinsame) Beschlüsse Neubau und/oder Sanierung getroffen werden. Seit der Einsetzung der Kommission haben sich jedoch wegen der Coronapandemie die grundlegenden Entscheidungsgrundlagen für zukünftige Investitionen geändert. Durch die Pandemie ist die internationale, nationale und kommunale Wirtschaft eingebrochen und wird für Jahre Erholungszeit brauchen. Rückläufige Steuereinnahmen der Stadt wie die Gewerbesteuer, Einkommensteuerzuweisungen usw. schränken das Investitionsvolumen für Jahre ein. Selbst private Investitionen sprudeln nicht mehr. Um so unverständlicher ist es, dass vor diesem zu erwartenden Hintergrund eine Diskussion für einen Neubau der Oper vom Zaun gebrochen wird. RP-Online titelt „CDU-Ratsleute für neue Düsseldorfer Oper im Hafen“.

Es ist schon merkwürdig, wie in Düsseldorf über einen Operneubau diskutiert wird. Auf der einen Seite wird die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Oper an der Heinrich-Heine-Allee mit vielleicht 100 Millionen in den nächsten 10 Jahren als zu teuer erachtet, gleichzeitig gibt es keine Bedenken, dass ein Neubau ca. 400 – 600 Mio € verschlingt, die sofort während des Baues aufgebracht werden müssen. Auch ein Neubau hat beträchtliche Unterhaltungskosten. Das Ganze ist nicht nachhaltig, da es ja eine funktionierende Oper mit gutem Ruf gibt, die allerdings saniert werden muss. Ein Neubau mit einer größeren Bühne würde auch zur Aufgabe der traditionellen Opernehe mit Duisburg führen, da dann die Kulissen, wie bisher, nicht mehr 1:1 mit der gleichen Bühnengröße in Duisburg ausgetauscht werden können. Der Hafenstandort auf der Hafenzunge im Rheinpark (wie der damalige RKW-Entwurf) hat den erheblichen Nachteil, dass dort kein ÖPNV-Anschluss besteht und dieser auch nicht herangeführt werden kann. Außerdem wird mit Aufgabe des Rheinparks eine Grünfläche aufgegeben. Der MedienHafen ist weitgehend bebaut und beplant. Ein weiteres Grundstück für einen Opernneubau wird man dort nicht mehr finden.

Im Übrigen haben alle älteren Opernhäuser Sanierungsbedarf. Nirgendwo werden diese sanierungsbedürftigen Opern neu und größer gebaut. Nur in Düsseldorf, wo alles immer neuer, größer, schöner und schicker werden muss. In Mailand kommt keiner auf die Idee, die Scala mit ihrem Sanierungsbedarf neu zu bauen. Selbst in Frankfurt, Köln und Stuttgart trotz hoher Sanierungskosten nicht. Auch die Wagneroper in Bayreuth wird trotz großer Mängel nicht neu gebaut. Sie wird mit 170 Mio € saniert.

Die klassische Oper hat ihre Funktion und ihr Publikum für das Opernrepertoire des 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts an der Heinrich-Heine-Allee. Wenn schon ein zusätzlicher Neubau einer Neuen Oper geplant und erst in weiter Zukunft, wenn große Investitionen wieder möglich werden, realisiert werden kann, sollte in Düsseldorf ein modernes multifunktionales Musiktheater entstehen, in dem große Opern, Operetten, Musicals, Jazz- und Popkonzerte, große Sinfoniekonzerte mit großen Orchestern. die nicht in die zu kleine Tonhalle passen, u.a. gespielt werden können. Eine solche ansprechende Kultureinrichtung fehlt in Düsseldorf, die allerdings in der Innenstadterreicbarkeit liegen und zu spielfreien Tageszeiten ein Ort der Begegnung für die Düsseldorfer Bevölkerung werden sollte.

<Dr. Hagen Fischer <HF> 2/2021, Bilder (HF)>