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Was haben wir anstelle des Tausendfüßlers bekommen? Wird zusammenwachsen, was zusammengehört?
Ein Spaziergang von der Johannes-
kirche entlang der „Platanenallee“ bis zur Einmündung der Düssel in die Landskrone. Treffpunkt Johanneskirche, Ostseite: In Richtung Osten liegt vor uns eine fast leere Fläche, versiegelt mit grauem Straßenpflaster, dem Muster, das Bürger aus mehreren nicht wesentlich anders gearteten Varianten für den gesamten Kö-Bogen-Bereich auswählen durften. Drei einsam übrig gebliebene Bäume stehen in quadratischen Pflanzscheiben auf der Fläche. Wir blicken auf das Gitter vor dem offenen Autotunnel – Anachro-
nismus in der Verkehrspolitik des 21.Jahrhunderts, … daneben liegt noch der Gleiskörper und der gepflasterter 2-Richtungsradweg.

Tita Giese

Anstelle eines breiten Tunnels für noch mehr Autoverkehr in der Stadt wäre eine vorausschauende Verkehrspolitik ratsam gewesen. Das Installieren von Umweltspuren zur Vermeidung von CO2 und die damit verbundene Absicht, auch den PKW Verkehr zu reduzieren, verdeutlichen wie schnell sich gegensätzliche Entwicklungen einstellen können. Unübersehbar zeigen die Tunnelrampen und die Bollwerke als Absturzsicherung ihre stadtbildzerstörerischen Auswirkungen. An dieser Stelle an der Ostseite der Kirche muss man dir Augen fest zukneifen, damit eine dort versunkene wilde Wunderwelt wiederauftaucht, die es hier über 20 Jahre lang gab: das Pflanzenkunstwerk „Insel im Strom“ von der Künstlerin Tita Giese. Dieser kleine Urwald ist nicht versunken, sondern wurde von Baggern noch vor dem Tausendfüßler zerstört. Wer Sinn dafür hatte konnte dort mitten im Verkehrsgetöse dem allen entfliehen auf einem kleinen Spaziergang durch hochgewachsene Blumen und Grünpflanzen, einheimische und exotische, kleine Tümpel sehen, Bienen summen hören und bunte Schmetterlinge beobachten. Dieses einmalige Biotop wenige Meter entfernt von Westdeutschlands lukrativster Einkaufsstraße war ein Kleinod … weg, vernichtet!

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Und hier gegenüber auf dem Platz neben der Kirche, wo unser Spaziergang beginnt, gab es zu Tausendfüßler Zeiten immerhin kleine Grünflächen mit Sträuchern und Bänken und den plätschern-
den Kugelbrunnen von Friedrich Wertmann. Jetzt ist dort keine Bank, im Sommer gleißende Hitze, kein Ort zum Verweilen. 30 Meter weiter nördlich steht der Pavillon aus Holz und Glas von dem die Architekten sagen, dass das Gebäu-
de den rostbraunen Metallmantel als farbliche Abstimmung zum Klinkerrot der Stadtkirche bekommen hat. Die umgebende Platzfläche davor teilen sich gastronomische Terrassen und Flächen zum Verweilen, geschmückt mit kreisförmig eingefassten Baumscheiben, bunt bepflanzt und dazwischen geklemmt der dorthin translozierte schöne Brunnen auf seinem ebenfalls kreisförmigen, aber gewölbten und überspülten Sockel, der durch die Steinkanten der Baumscheibenkreise konterkariert wird.Jetzt bekommt man den Blick nach links frei

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auf die neu auf dem Tiefgara-
gendeckel gepflanzte Trompe-
tenbaumallee längs des Martin-Luther-Platzes zwischen Kirche und Häuserzeile, abgepollert mit unzähligen beiderseits der Baumreihen und des Fahrweges in Reih und Glied stehenden Pflanztrögen mit Saisonbe-
pflanzung. Sie sollen die alten großen Bäume ersetzen, die dort lange Zeit auf Mutterboden standen. Jetzt wenden wir uns weiter, vorbei an dem noch im Bau befindlichen Ingenhoven-Tal, das wir noch nicht bewerten möchten, das aber eine gewisse Großzügigkeit erkennen lässt und tatsächlich den Blick auf das zurzeit fassadenlose Schauspielhaus freigibt. Warum hier allerdings das Grün auf die Dächer verbannt werden soll, wogegen die Bodenflächen großräumig wieder in dem

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oben beschriebenen Pflaster gähnen, erschließt sich nicht wirklich. Die auf dem Tunneldach neu gepflanzte, im Hitzesommer mühsam am Leben gehaltene Dachplatanen-Allee führt uns nun entlang des vergitterten Schienenstranges in den Bereich, wo versprochenermaßen zusammenwachsen soll, was zusammen-gehört: in den Hofgarten. Für unsere mitgeführten Fahrräder suchen wir hier lange nach nur vereinzelt angebotenen Fahrradständern.

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Die in engem Takt in beide Richtungen fahrenden Straßenbahnen bestätigen einem Menetekel gleich die warnenden Hinweise aus der Planungsphase: dass die oberirdisch fahrenden Bahnen die Teilung des Parks endgültig manifestieren würden. Als müsste das mit Nachdruck geschehen, begleiten die Schneise während der Dunkelheit grell leuchtende Leuchtstoffröhren. Wo vorher die einfach gut funktionierende Jägerhofpassage das Queren des Hofgartens bequem ermöglichte, ersetzen diese heute vier unschöne und für Radfahrer gefährliche Schienenübergänge.

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Und dann blicken wir auf den neuen Kö-Bogen mit tagsüber vorwiegend verschatteten, gepflasterten Terrassenstufen vor der Landskrone. Man darf nicht gehbehindert sein, mit Kinderwagen oder mit dem Fahrrad unterwegs sein, wenn man von dieser Terrasse näher ans Wasser oder über das Brückchen in den alten Hofgarten möchte. Ohne Not hätte man das barrierefrei gestalten können. Die auf der Ter-
rasse aufgereihten Kirschbäumchen haben wenig Bezug zu dem gegen-
über liegenden Weyheschen Park, sondern sind eher ein Dekor für den wenig

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einladenden Libeskindbau, dessen tapetenartige Sandsteinplatten Fassade sich für den Passanten, aus dem Hofgarten schauend, unharmonisch vor das immer noch schöne Dreischeibenhaus schiebt. Wäre die Baumreihe vor dem Libeskindbau eine dichte Baumkante, würde sie spürbar die Grünverbindung zwischen Königsallee und Hofgarten darstellen – das könnte auch ohne großen Aufwand noch
nachgeholt werden.

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Wir überqueren den neuen Düsselkanal: abgezirkelte Rollrasenufer vom Reißbrett, drei Betonbrücken mit industriell gefertigten Geländern, eine Staustufe aus grob behauenen geometrisch angeordneten Steinquadern. Gestaltung aus dem Tiefbau!

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Ganz aus der Ferne sendet die goldene Brücke noch Grüße von Maximilian Weyhe herüber aus einer Zeit, in der man noch wusste, was ein Park ist, in dem Menschen ihre Blicke schweifen lassen können und hinter Wegbiegungen Überraschungen erleben. Am neuen Düsselkanal wächst nichts zusammen, da werden 2 Parkhälften optisch brutaler zerschnitten als zuvor. Denn dieser Situation kann man sich auch nicht mehr durch einen Fußgängertunnel entziehen.

<Ingrid Landau>