Die aktuelle Diskussion um den Heinrich-Heine-Platz macht vergessen, dass die mit der Platzlösung erforderliche Verlagerung des Verkehrs in die Breite Straße eine Verkehrslösung bis zum Bilker Bahnhof erforderlich macht. Der folgende Beitrag zeigt einen Systemvorschlag für den Auto-, Rad- und Fußängerverkehr, der im Rahmen der Verkehrswende die Prinzipien einer umweltgerechten Verkehrspolitik kurzfristig anwenden könnte. <Red.>

DiB hat dem neugewählten Stadtrat die aktive Umsetzung einer Mobilitätswende in Düsseldorf empfohlen. Denn In der beginnenden Ratsperiode gilt es nicht nur zu versprechen und anzukündigen, sondern vor allem zu handeln, d. h. kurzfristig zu realisierende Maßnahmen vorzubereiten und durchzuführen. Den Forderungen des Bündnisses Mobilitätswende Düsseldorf „Verkehrswende jetzt!“ hat sich DIB diesbezüglich angeschlossen. Vor allem in der Kernstadt müssen wirksame Maßnahmen für eine klima- und umweltgerechte Verkehrspolitik in Gang gesetzt werden. Dabei soll dem Umweltverbund von Fußgängern, Radfahrern und ÖPNV Vorrang vor dem Autoverkehr eingeräumt werden. Für eine gerechtere Flächenverteilung zugunsten dieser Verkehrsarten sind 2 Prinzipien zu verfolgen:
– keine kostenlosen Parkplätze im öffentlichen Straßenraum, Vorrang für Anwohner und Behinderte
– in der Regel keine zweistreifigen Hauptstraßen in einer Fahrtrichtung, dafür eine Fahrspur für Radverkehr und mehr Platz zugunsten der anliegenden Nutzung

Konkret möchte ich auf einen wichtigen Bereich in der Kernstadt hinweisen, wo die Prinzipien einer umweltgerechten Verkehrspolitik kurzfristig angewendet werden könnten und sollten:
Die Hauptstraßen für den Süd-Nord-Verkehr zur City zwischen Bahnhof Bilk und Heinrich-Heine-Platz (Friedrichstadt und Carlstadtrand).
Durch die Entscheidung, den Autoverkehr nicht mehr über den Heinrich-Heine-Platz zur Kasernenstraße zu führen, sondern auch nach Süden über die Breitestraße, muss der gesamte Autoverkehr mindestens bis zum Graf-Adolf-Platz neu überlegt werden. Die derzeitige Planung für den U-Bahnrückbau ist obsolet geworden. Es reicht nicht, nur zugunsten des Eingangsbereichs zum Carschhaus den Heinrich-Heine-Platz zu planen und neu zu gestalten.

In der Planskizze ist der Vorschlag dargestellt, wie eine Neuplanung der Autoverkehrsführung und die Gestaltung der Straßen- und Platzräume um den Heinrich-Heine-Platz und am Rande der Carlstadt aussehen könnten:
Die Breite Straße wird Hauptverkehrsstraße in beiden Fahrtrichtungen. Um genügend Platz dafür zu erhalten, muss der geplante Radweg hier entfallen. Der zu gestaltende Bereich umfasst die Kasernenstraße von Carl-Theodor-Straße bis Hunsrückenstraße und Bolker Straße sowie das Umfeld des Heinrich-Heine-Platzes. Die Radhauptroute könnte teilweise auf der ehemaligen Straßenbahntrasse in beiden Fahrtrichtungen bis zum Graf-Adolf-Platz verlaufen. Die Hunsrückenstraße bleibt Fußgängerzone und wird neugestaltet, der Abschnitt der Kasernenstraße nördlich Benrather Straße und die Grabenstraße werden Verkehrsberuhigter Bereich. Der restliche Teil der Kasernenstraße von Benrather Straße bis Carl-Theodor-Straße wird Erschließungsstraße für die Carlstadt und als Baumallee gestaltet.

Für den südlichen Bereich der Nord-Südrichtung bis Bahnhof Bilk ergeben sich ebenfalls neue Aspekte für die Verkehrs- führung in der Friedrichstadt. Wir möchten auf das seinerzeit vorgelegte Rückbaukonzept der alten AG Mobilität  des Fachforums „Lebensraum Stadt“ der Lokalen Agenda 21 hinweisen, dessen Eignung für eine Überarbeitung der U-Bahnrückbauplanung geprüft werden sollte. Insbesondere müsste die Radhauptroute in der Elisabethstraße für beide Fahrtrichtungen ausgeführt werden.

<Dr.-Ing. Jörg Forßmann, Planer SRL. 11/2020>